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Europäische Wildkatze

Über Wildkatzen – auch "Felis silvestris silvestris" genannt

7.2.2020

Die Kleinkatze steht auf der Rote Liste des Bundes

Ausgewachsene Wildkatzen haben dichtes, im Vergleich zur Hauskatze etwas langhaarigeres Fell mit grau-gelblicher Grundfarbe,verwaschener Tigerzeichnung und weißem Kehlfleck. Dadurch wirken sie meist plumper, obwohl Wildkatzen und Hauskatzen sich in der Köpergröße kaum unterscheiden. Die Zeichnung ist bei jungen Wildkatzen noch sehr viel kontrastreicher, so dass diese häufig mit wildfarbenen Hauskatzen verwechselt werden.

Von der Stirn ziehen sich bis zu sechs dunkle Streifen zwischen den Ohren bis in den Nacken. Entlang der Wirbelsäule verläuft ein dunkler Streifen, den man als Aalstrich bezeichnet. Dieser endet bei Wildkatzen an der Schwanzwurzel, während er sich bei wildfarbenen Hauskatzen über den gesamten Schwanz erstreckt. Der buschige Schwanz erwachsener Wildkatzen endet auffallend stumpf und weist deutlich dunkel abgesetzte Ringe im hinteren Drittel auf. Die Schwanzspitze ist schwarz.

Weitere Merkmale der Wildkatze sind ein rosafarbener Nasenspiegel und kräftige weiße Schnurrhaare.

Wissenschaftlich

OrdnungRaubtiere (Carnivora)
ÜberfamilieKatzenartige (Feloidea)
FamilieKatzen (Felidae)
UnterfamilieKleinkatzen (Felinae)
GattungEchte Katzen (Felis)
ArtWildkatze (Felis silvestris)
UnterartEuropäische Wildkatze
Wissenschaftlicher NameFelis silvestris silvestris (Schreber, 1777)
Rote Liste:  „stark gefährdet“, in einigen Bundesländern „vom Aussterben bedroht“

Die Europäische Wildkatze - Tier des Jahres 2018!

Durch die Wahl zum „Tier des Jahres“ sollte die Wildkatze und insbesondere das Schutzbedürfnis der Art 2018 in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden. Nachdem sie zwischenzeitlich beinahe vollständig aus unseren Wäldern verschwunden waren, leben heute wieder einige tausend Wildkatzen in Deutschland – insbesondere in den Mittelgebirgsregionen wie beispielsweise dem Pfälzerwald. Nichtsdestotrotz gelten die nachtaktiven Einzelgänger weiterhin als „stark gefährdet“, in einigen Bundesländern sogar als „vom Aussterben bedroht“ (Rote Liste des Bundes).

Schon gewusst…?


Wie sieht die Lebensweise einer Wildkatze aus?

Wildkatzen sind äußerst scheu und vermeiden nach Möglichkeit die Begegnung mit dem Menschen. Sie leben versteckt in naturnahen, strukturreichen Laub- und Mischwäldern, wo sie tagsüber in Baumhöhlen, Reisighaufen oder Felsspalten versteckt schlafen. Wildkatzen sind dämmerungs- und nachtaktiv. In der Dunkelheit gehen die Schleichjäger auf Beutejagd. Dabei fressen sie überwiegend Mäuse, gelegentlich aber auch Frösche, Eidechsen, Insekten oder kleine Vögel.

Außerhalb der Paarungszeit zwischen Januar und März leben Wildkatzen einzelgängerisch. Die Größe ihrer Streifgebiete beträgt im Durchschnitt zwischen 2 und 9 Quadratkilometern pro Tier und hängt sehr stark mit dem jeweiligen Angebot an Beutetieren und Versteckmöglichkeiten zusammen. Die Aktionsräume der männlichen Kuder umfassen meist die Streifgebiete mehrerer Katzen und werden während der Paarungszeit auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen erweitert.

Nach einer Tragzeit von 63 bis 69 Tagen kommen meist 2 bis 4 Jungtiere zur Welt. Die meisten Würfe finden im April statt, jedoch werden Jungtiere bis in den September hinein geboren. Nicht selten haben Wildkatzen im Herbst einen zweiten Wurf, wenn es beim Wurf im Frühjahr zum Verlust durch Fressfeinde oder ähnliches gekommen ist.

Welcher Bedrohung ist die Wildkatze ausgesetzt?

Der bevorzugte Lebensraum der europäischen Wildkatze ist geprägt durch strukturreiche Laub- und Mischwälder mit ausreichend Totholz, sowie Baum- und Felshöhlen, in denen die scheuen Tiere Tagesverstecke und sichere Orte zur Jungtieraufzucht finden. Solche Waldgebiete werden leider zunehmend seltener bzw. immer stärker zerschnitten. Große, zusammenhängende Waldflächen werden immer stärker zerschnitten und machen es der scheuen Wildkatze schwer, zwischen diesen zu wandern und sich zu verbreiten. Durch die zunehmende Ausbreitung offener Ackerflächen wird ihnen in vielen Regionen die Eroberung neuer Gebiete erschwert, da Wanderkorridore mit Deckung durch Bäume und Sträucher zwischen einzelnen Waldgebieten fehlen.

Auch Querungshilfen im dichten Straßennetz fehlen weitgehend. Gerade während der Hauptaktivitätsphase in der Dämmerung und Nacht werden Wildkatzen auf ihren Wanderungen zwischen einzelnen Waldgebieten häufig überfahren, wenn sie Bundesstraßen und Autobahnen überqueren. Nicht selten werden an der selben Stelle immer wieder aufs Neue Wildkatzen überfahren, da sich die Tiere bei ihren Wanderungen an den Duftmarken ihrer Artgenossen orientieren. Opfer sind meist Jungkatzen auf der Suche nach einem eigenen Revier.

Wildkatze oder Hauskatze? Jungtiere werden oft grundlos „eingesammelt“

Häufig werden die Jungtiere fälschlicherweise für ausgesetzte Hauskatzen gehalten, aus Unwissenheit eingesammelt und schließlich ins Tierheim gebracht. Die extrem scheue Wildkatze meidet generell strikt den Kontakt zu Menschen und Ortschaften. Jedoch kommt es vor, dass die Mütter ihre Jungtiere in Holzpoltern in Gärten verstecken oder im Gebüsch am Waldrand alleine zurücklassen während sie auf Beutejagd gehen. Nicht selten entdecken Spaziergänger die Kleinen und vermuten, dass diese Hilfe benötigen, weil sie womöglich nicht mehr von der Mutter versorgt würden oder gar ausgesetzt wurden. Mit ihrer dunklen Streifenzeichnung auf ockerfarbenem Untergrund erinnern die Jungtiere stark an ähnlich gefärbte Hauskatzen. Die Ähnlichkeit täuscht jedoch! 

Die europäische Wildkatze ist keinesfalls eine verwilderte Hauskatze, sondern eine eigenständige Art. Unsere Hauskatze hingegen stammt von der afrikanischen Falbkatze ab und wurde erstmals von den Römern mit nach Europa gebracht. Ausgewachsene Wildkatzen sind kaum größer als Hauskatzen, wirken aber durch das dichte, längere Fell kräftiger. Die typische Streifenzeichnung mit dunklem Aalstrich entlang der Wirbelsäule ist bei den jungen Wildkatzen ähnlich kontrastreich wie bei getigerten Hauskatzen, bei erwachsenen Tieren jedoch eher verwaschen und häufig kaum noch als Streifen zu erkennen. Auch der markante buschige Schwanz mit 2-3 dunklen Ringen und stumpfem Ende unterscheidet die erwachsene Wildkatze deutlich von der Hauskatze mit ihrem eher schmalen und spitz endenden Schwanz. 

Bei jungen Wildkatzen, bei denen die genannten Merkmale noch nicht so deutlich ausgeprägt sind, kann auch die Farbe der Nase als Hinweis auf ihre Herkunft dienen. Während der Nasenspiegel bei Hauskatzen häufig bräunlich oder grau bis schwarz ist, ist dieser bei Wildkatzen meist auffallend rosa oder fleischfarben ausgeprägt. 

Erfahrungsgemäß ist es meist nicht das Aussehen, sondern vielmehr das Verhalten, das letztlich den Verdacht weckt, es könne sich bei den getigerten Findelkindern um Wildkatzen handeln. Selbst sehr junge Kätzchen wehren sich in der Regel mit heftigem Knurren, Fauchen, Spucken und Beißen gegen ihre „Helfer“, die die Kleinen schließlich im Tierheim oder bei uns abgeben – nicht selten mit Kratzwunden übersät… Wir raten dringend davon ab, allein aufgefundene Jungkatzen unbedacht einzusammeln. Meist ist die Mutter ganz in der Nähe auf Nahrungssuche und kehrt in regelmäßigen Abständen zu ihrem Nachwuchs zurück – allerdings nicht, solange sich Menschen in der Nähe befinden.

Richtiges Verhalten beim Auffinden junger oder verletzter Wildkatzen

Sollten Sie beim Spazierengehen auf junge Kätzchen stoßen, die die oben genannten typischen Wildkatzenmerkmale aufweisen, verhalten Sie sich bitte absolut ruhig und entfernen Sie sich rasch wieder aus deren Umfeld, um die Tiere keinem unnötigen Stress auszusetzen. Sollten Sie sich in der Situation in irgendeiner Weise unsicher sein, zögern Sie nicht, fachkundigen Rat einzuholen und z.B. bei einer Wildtierstation anzurufen, bevor Sie selbst übereilt handeln und die Tiere im schlimmsten Fall grundlos der Mutter weggenommen werden. Die Handaufzucht durch den Menschen kann die Aufzucht durch die Mutter niemals vollkommen ersetzen!

Verletzte Tiere melden Sie bitte in jedem Fall bei einer nahegelegenen Wildtierstation oder der Polizei, die auch den zuständigen Jäger oder Förster ermitteln und verständigen kann. Wildkatzen sind streng geschützt und dürfen nicht ohne weiteres aus ihrem natürlichen Umfeld entfernt werden!

Auch Wildkatzen-Totfunde sind für wissenschaftliche Zwecke von Interesse und können bei Wildtierstationen oder direkt auf der Internetseite des BUND beim Totfund-Monitoring gemeldet werden. 

TIERART nimmt jedes Jahr eine große Anzahl Wildkatzen auf 

2017 waren es insgesamt 18 Tiere, 2019 sogar 27!

Bereits sehr junge Wildkatzen fressen täglich mehrere hundert Gramm Mäuse pro Tier und die benötigte Futtermenge steigt mit zunehmender Größe der Katzen weiter an. Mäuse sind mit 18€/kg sehr teuer. Für die artgerechte Ernährung der Wildkatzen sind sie jedoch essentiell.

Europäische Wildkatze bei TIERART

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