Igel gefunden – was tun?

Ein Leitfaden für Tierfreunde: Was tun, wenn man gerade einen Igel gefunden hat?

29.11.2018

Beobachten Sie zuerst und überprüfen Sie dann Folgendes:

  • Ist der Igel verletzt?
    Rufen Sie das nächste Wildtierzentrum oder den nächsten Tierarzt an, um professionellen Rat für die nächsten Schritte einzuholen.
  • Ist der Igel schwach, oder läuft er tagsüber umher?
    Wenn er schwach, aber nicht verletzt ist, können Sie ihm helfen, indem Sie ihn füttern.
  • Ist der Igel in Gefahr?
    Wenn Sie glauben, dass der Igel in Gefahr ist, zertreten oder angefahren zu werden, nehmen Sie ihn am besten behutsam auf und bringen ihn an einen sichereren Ort.
  • Ist es Winter?
    Wenn ja, braucht er wahrscheinlich Hilfe, denn Igel halten Winterschlaf. Wenden Sie sich an die nächstgelegene Wildtierauffangstation oder einen Tierarzt, um Rat zu erhalten und zu erfahren, was als Nächstes zu tun ist.
  • Handelt es sich um einen sehr jungen Igel?
    Dann sollten Sie ihn nicht sofort aus seiner Umgebung entfernen. Erfahren Sie zunächst mehr über junge Igel.

Im Herbst wird das Nahrungsangebot für Igel knapper und der Winterschlaf steht bevor. Wer Igeln helfen will, die kalte Jahreszeit gut zu überstehen, sollte sich gut informieren. Denn nicht jeder Igel braucht unsere Unterstützung.

Schwache, verletzte und junge Igel 

Normalerweise sind Igel nachtaktive Tiere. Aber schwache, verletzte, kranke oder elternlose Igel zeigen sich manchmal auch tagsüber und brauchen vielleicht Unterstützung, um zu überleben. Es gibt nur sehr wenige junge Igel, die wirklich ausgesetzt werden. Muttertiere lassen ihren Wurf manchmal für mehrere Stunden allein, während sie sich auf Nahrungssuche begeben. Ein scheinbar verlassenes Jungtier sollte immer genau beobachtet werden, bevor es in Pflege genommen wird.

Schwache Tiere sollten nicht aus ihrer natürlichen Umgebung entfernt werden, es sei denn, sie sind jung, sehr klein oder offensichtlich krank. Sofortige Hilfe ist möglich, zum Beispiel durch Füttern des Igels. Richten Sie eine Futterstelle in einem geschützten Bereich Ihres Gartens ein, fernab von anderen Tieren wie Katzen.

Was man einem Igel füttern sollte:

  • Eiweißreiches Futter - eine Mischung aus hochwertigem Katzennassfutter (mindestens 60 % Fleischanteil, ohne Soße, Gelee o.ä.) und gekochtem, gehacktem Fleisch (Huhn, Pute, Rinderhack)
  • Ei - Eier sind als Rührei bei Igeln besonders beliebt: Braten Sie das Rührei in einer Pfanne ohne Gewürze, aber mit etwas Pflanzenöl - bis es fest wird
  • Immer eine flache Schale mit Wasser bereitstellen

 

Was man einem Igel NICHT füttern sollte:

  • Auf keinen Fall sollte ein Igel mit Obst oder Milch gefüttert werden. Dies kann zu schweren Verdauungsproblemen und sogar zum Tod führen.
  • Kommerzielles Igeltrockenfutter ist nicht zu empfehlen und sollte auch nicht die Hauptnahrung sein. Die natürliche Ernährung von Igeln besteht aus weniger Kohlenhydraten, und für schwache Igel ist proteinreiches Futter besser geeignet.

 

Igel: Winterschlaf und Überwinterung

Igel gehören zu den besonders gefährdeten Arten und dürfen laut Bundesnaturschutzgesetz der Natur nicht entnommen werden. Eine Ausnahme bilden kranke, verletzte oder verwaiste Tiere.

Von Mitte November bis März begeben sich Igel in den Winterschlaf. Dabei werden die Körperfunktionen auf ein Minimum herabgesetzt. Mit Hilfe ihrer angefressenen Energiereserven können die Tiere bis zu einem halben Jahr ohne Futter auskommen. Eine sehr gute Überlebenschance haben Igel, die vor dem Winterschlaf 500 Gramm oder mehr wiegen.

Igel immer erst beobachten

Junger geretteter Igel

Nachhaltiger Igelschutz beginnt im eigenen Garten

Nicht nur Igel, sondern auch andere Wildtiere freuen sich, wenn ein Teil des Gartens nicht aufgeräumt und der Kompost von Oktober bis März nicht umgeschichtet wird. Auch Reisig- und Laubhaufen sowie Hecken und Gehölze bieten den Tieren Unterschlupf und Schutz vor Wind und Wetter. Laubsauger/-bläser, Rasenmäher und andere Geräte sind mit Vorsicht einzusetzen – sie können die Tiere tödlich verletzen.

Neben den anfallenden Gartenarbeiten kann auch die Architektur von Garten und Haus Gefahren für den Igel bergen. Ein paar kleine Hilfestellungen können hier viel bewirken:  Kellerfenster und Lüftungsschächte sollten vergittert sein, eventuell vorkommende Stufen können für Igel passierbar gemacht werden, indem mit Ziegelsteinen Zwischenstufen gebaut werden. Ein Brett im Teich gewährleistet einen sicheren Ausstieg aus dem Wasser.

Umgehend Igelfachstelle kontaktieren

Jeder, der einen verletzten oder schwachen Igel in seine Obhut nimmt, ist gemäss Naturschutzgesetz verpflichtet, sich so rasch wie möglich mit einer qualifizierten Igelfachstelle in Verbindung zu setzen. Diese wird dann darüber befinden, ob das Tier ärztliche Hilfe braucht oder wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Falls eine weitere Pflege nötig wird, wird diese durch die Igelfachstelle veranlasst.

Hilfestellung bietet hierbei die Wildtierstation Hamburg.

Reh auf einer Wiese

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