Natascha und Gandhi Drucken

Die Geschichte der Tigermädchen Natascha und Gandhi

Laut Information der Brigitte-Bardot-Foundation wurden die beiden vierjährigen Bengal-Tigerinnen von ihrem Dompteur feige und heimlich im Süden Frankreichs in einem Containerwagen abgestellt und alleine gelassen. Die damals erst ein Jahr alten Tiere waren 3 Jahre lang in 2 getrennten Gitterboxen von je ca. 4 qm eingesperrt. Sie konnten sich nicht bewegen und waren über all diese Jahre in dem aufgeheizten Metallcontainer der Hitze Südfrankreichs ausgesetzt. Eine unvorstellbare Qual, für die man keine Worte findet.

Natascha_3Ein Zoo in der Nähe von Marseille hatte sich zwar bereit erklärt, die Tiere zu füttern, konnte sie jedoch nicht aufnehmen. Nebenstehendes Bild zeigt die narkotisierte Natascha und ihre Befreiung aus dem Zirkuswagen in der Nähe von Marseille.

Die Brigitte Bardot Stiftung erfuhr von diesem Leid erst im Oktober 2005. Sie kontaktierte bekannte Zoos in der ganzen Welt, aber alle lehnten eine Aufnahme der Tiere ab. Da die Tiere weder über CITES Papiere verfügten, noch einen Stammbaum hatten und nicht gechipped waren, wollte sie niemand aufnehmen. Einige Zoos sagten sogar, die beste Lösung sei es, diese jungen Tigerinnen zu euthanisieren. Bitte lesen Sie dazu den Brief der Brigitte Bardot Stiftung an Roswitha Bour.

Die Einschläferung wurde dann auch Ende 2005 behördlich verfügt. Die Behörden wollten diese tierquälerische Unterbringung nicht mehr länger dulden und setzten auch der BB Stiftung eine allerletzte Frist, um einen Platz für die Tigerinnen zu finden.

Ein Wettlauf mit der Zeit begann für die Brigitte Bardot Stiftung - man suchte weiterhin verzweifelt nach einer Lösung und übermittelte einen Notruf über einen internationalen Tierschutzverteiler, welcher Helmut Rentsch von der Gruppe Tigerschutz erreichte. Der Tigerfreund Helmut Rentsch stellte sofort den Kontakt zwischen Roswitha Bour vom Verein TIERART e.V. und Céline Sissler von der Brigitte-Bardot-Foundation her. Gleichzeitig wies er auf die im Tierpark Lübeck freistehende großzügige Großkatzenanlage hin. Nun musste der Verein Tierart über einige Monate hinweg viele Hindernisse überwinden.

Zunächst musste die Eigentumsfrage geklärt werden, da für die herrenlosen Tiere keine Ausfuhrgenehmigung beantragt werden konnte. Auch konnte die Tötungsanordnung nicht aufgehoben werden, so lange es keinen Eigentümer gab. Dies wurde zwischen Tierart und der Brigitte Bardot Stiftung in der Weise geregelt, dass die Stiftung Eigentümerin der Tiere wurde und TierArt e.V. die Kontrolle der Unterbringung in Deutschland übernahm sowie sich auch weiterhin um die Tiere kümmern sollte nach dem Aufenthalt in Lübeck. (Die Stadt Lübeck hatte ja leider nur eine Unterbringungserlaubnis für ein Jahr erteilt.)

Bedingung für die 1-jährige Aufenthaltserlaubnis in Lübeck war außerdem, dass der Verein Tierart innerhalb eines Jahres ein Gehege zur Verfügung stellen würde, in welches die Tiger dann umsiedeln könnten.

Beim Transport von Marseille nach Lübeck gab es viele Risiken. Die Tiere mußten vor der Abfahrt narkotisiert und gechipped werden und danach eine Fahrt von 1200 km zu überstehen. Daher oblag es dem Verein Tierart auch, mit diversen Tiertransportfirmen zu verhandeln, um die entsprechende Fachkompetenz sicherzustellen.

TierArt e.V. musste wiederum eine schriftliche Bestätigung durch Veterinäramt und Magistrat der Stadt Lübeck für die französischen Behörden erbringen - mit Fotos der Gehege - um nachzuweisen, dass die Tiger in Deutschland aufgenommen und gut untergebracht werden.

Schließlich wurde von der Stadt Lübeck die Auflage gemacht, dass die Tiere monatlich durch einen Tigerexperten überprüft werden im Hinblick auf die Versorgung sowie auch die Beschäftigungs- und Spielmöglichkeiten. Ein monatlicher diesbezüglicher Bericht war zu fertigen.

Nach Abarbeitung aller bürokratischen Hindernisse kamen die Tiere dann endlich am 27. April 2006 im Tierpark Lübeck nachts an. Es vergingen 14 Stunden, bis sie sich endlich aus ihren Transportkisten herauswagten. Sie hatten große Angst, besonders vor Männern, denn der Zirkuswagen hatte 3 Jahre lang in Frankreich völlig frei zugänglich im Freien gestanden. Aufgrund der Reaktionen der Tiere ist zu vermuten, dass sie dort gequält wurden, denn sie waren ja wehrlos. Voller Panik versteckten sie sich im Stroh im Innengehege.

Als dann aber nach der Eingewöhnungszeit im Innengehege die erste Tigerin das Freigehege betrat, interessierte sie sich sofort für allerlei Äste und Stöckchen, die dort herumlagen und spielte damit. Es war ein wunderbares Erlebnis zu sehen, dass solch gequälte Tiere doch noch fähig sind glücklich zu sein.

(Das RTL Video kann bei uns bestellt werden).

Aufgrund der zeitlichen Befristung in Lübeck hatte der Verein TierArt bald darauf begonnen, bei seinem Kooperationspartner, dem Tierheim Rüsselsheim, ein Großkatzengehege umzubauen. TierArt e.V. hat eine neue Heizung in das Raubtierhaus verlegt, Wasser installiert, die Innengehege komplett gefliest und auch die Außengehege neu gestaltet und hierfür Kosten in Höhe von über EUR 12.000,00 übernommen.

Auch im Tierpark Lübeck hat der Verein eine Futterkostenbeihilfe in Höhe von EUR 1.000,00 übernommen.

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Am 4. Juni 2007 zogen die Tigermädchen Natascha und Gandhi von Lübeck nach Rüsselsheim um. Natascha und Gandhi hatten sich gut eingelebt und von den erneuten Strapazen der langen Fahrt erholt. Sie wurden täglich beschäftigt, um keine Stereotypien aufkommen zu lassen.

So lebten Natascha und Gandhi im neuen Gehege in Rüsselsheim.

Beiden Tigern wurden im Zirkus die Krallen gezogen. Hier versucht Gandhi nach Katzenart trotzdem zu kratzen.

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Tigerbeschäftigung – Gandhi holt sich das am Baumstamm aufgehängte Fleisch.

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Auch im Innengehege fühlte sich Natascha sichtlich wohl.

 

Am 24.Septempber 2012 durften Natascha und Gandhi in den LIONSROCK PARK von VIER PFOTEN nach Afrika umziehen.

 

5 Jahre lang wurden Natascha und Gandhi liebevoll in Rüsselsheim betreut.

 

Immer wieder wurden wir angesprochen, ob man den Tigerinnen nicht ein noch besseres und größeres Gehege geben könnte (statt des vorhandenen ca. 250 qm großen Geheges).

Dies hätten wir gerne getan, doch alle Bemühungen scheiterten, da es europaweit keine freien Plätze gab.

 

Eine Schwierigkeit kam dazu:

Natascha und Gandhi - 2 Damen! - wurden ihr ganzes Leben getrennt gehalten, weil man nicht sicher war, ob sie sich miteinander vertragen würden. Wäre es ein männliches und ein weibliches Tier, so hätte man sie relativ problemlos vergesellschaften können.

 

Wir starteten mehrere Vergesellschaftsversuche. Sie mußten immer wieder abgebrochen werden, da es zu Aggressionen kam. In einem so kleinen Gehege kann ein Tiger nicht flüchten, wenn der zweite zu dominant wird und das Revier für sich alleine haben will.

So mussten sich Natascha und Gandhi immer abwechseln: 1Tag Freigehege, 1 Tag Innengehege.

Nun eröffnete sich nach den jahrelangen Bemühungen eine wunderbare Möglichkeit: Natascha und Gandhi haben das Glück ihres Lebens gefunden.

Im LIONSROCK PARK - von VIER PFOTEN - in Südafrika waren 2 Plätze frei. Natascha und Gandhi konnten Ende September 2012 in ein großzügiges Gehege mit 10.000 qm umziehen. Es ist wunderschön - mit Bäumen und Sträuchern und einem Badebecken. Auch das Klima passt.

Der weite Umzug wurde so gut vertragen, daß Natascha bereits am Ankunftstag durch das Gehege flitzte. Gandhi suchte den Wasserteich auf.

Die Tigerinnen haben sich inzwischen gut eingelebt.

Natascha und Gandhi müssen nun nie mehr umziehen und können Ihr großzügiges "Revier" genießen.

 

Unser Dank gilt der VIER PFOTEN-Stiftung. Sie hat nicht nur den Transport in professioneller Art und Weise abgewickelt, sondern auch sämtliche Kosten in diesem Zusammenhang übernommen.

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Natascha und Gandhi im Lions Rock, im März 2013.

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Im Vordergrund befindet sich das Gehege von Natascha und Gandhi, welches auch mit einem Teich ausgestattet ist.

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Im Gehege befinden sich Bäume, die Schatten bieten. Das Klima ist für Tiger geeignet.

Natascha bei Vier Pfoten 2014.